App-Wahnsinn: Pokémon GO

Das ist ja ‘ne halbe Ewigkeit her!

Es hört sich wie ein wahr gewordener Traum an. Als ich 10 Jahre alt war, konnte man sich mich gar nicht ohne Game-Boy vorstellen, so sehr begeisterten mich Spiel und Charaktere. Einmal selbst um die Welt reisen mit Ash Ketchum (Funfakt: Catch ‘em) an meiner Seite und alle Pokémon fangen? Auf Spiel folgten Sammelkarten, Merchandise, TV-Serie, Kino-Filme und ein ganzer Hype, der jetzt schon über 20 Jahre andauert. Pikachu, Glumanda und wie auch immer sie alle heißen, ließen uns kein Entkommen. Eine erfundene Welt, die Millionen Menschen faszinierte und in ihren Bann zog. Und jetzt soll diese Fantasie endlich Realität werden?

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Tausende Menschen laufen über dicht befahrene Autobahnen um ein wildes Taupsi zu fangen. Paralysiert von dem interaktiven Onlinespiel vergessen sie, wo sie sind und blockieren nicht nur den Verkehr, sondern bringen sogar ihr eigenes Leben in Gefahr. Wenn wir dachten, dass Selfies die natürliche Selektion wieder ins Leben gerufen haben, lagen wir ziemlich falsch, denn Pokémon GO legt hier noch eine Schippe drauf.

Frischluft, ich wähle dich! LOS

 

Bislang nur in den USA, Japan, Australien und Neuseeland offiziell auf dem Markt ist das erste Smartphone-Game von Nintendo jetzt seit Mittwoch auch in Deutschland im App Store erhältlich. Tausende Trainer werden sich jetzt auch auf unseren Straßen, Wäldern und Plätzen tummeln.

Plötzlich will wieder jeder nach draußen und auch der größte Couchpotato geht jetzt 10 Mal am Tag mit seinem Wellensittich Gassi. Stilvoll geht die Welt zu Grunde. Denn von der wirklichen Welt um uns herum verschließen wir bewusst die Augen, um sie in einer fiktiven wieder zu öffnen. Tja bittere Realität. Doch genau das ist doch das Aufregende, das das Spiel mit sich bringt. Selbst agieren und interaktiv teilnehmen zu können. Man ist plötzlich mehr, als nur ein Joystick hinter der Konsole. Das Spiel logt sich mit den GPS Daten des Smartphones in die eigene Umgebung ein und man kann durch den Bildschirm nicht nur sein Umfeld, sondern auch die 171 original Pokémon hautnah sehen. Alle fangen, trainieren, kämpfen oder tauschen. Das alles zwar durch digitale Smartphone-Augen, doch who cares? Tackle bleibt Tackle und durch den Sicherheitsbildschirm sind wir auch weiterhin vor Pummeluffs Schlafgesängen sicher.

Das war wohl wieder ein Schuss in den Ofen

 

Kaum auf dem Markt, gibt es schon erste, teils schockierende Geschichten von der App. Ein betrügender Freund entlarvt sich selbst, indem er bei seiner Affäre Pokémons einfängt und die GSP Daten später von seiner eigentlichen Freundin gefunden werden.

Erste, semiprofessionelle Stellenbewerbungen für Trainer kursieren bereits im Internet. Denn falls man einen realen Job besitzt, bei dem man täglich acht Stunden präsent sein muss, kann man jetzt Pokémon-Fanatiker engagieren, die während der eigenen Arbeitszeit auf die Jagd gehen.

Die kleinen Monster sind aber auch überall zu finden. Ob nun neben der hochschwangeren Ehefrau, die gerade in den Wehen liegt (ziemlich geschmacklos) oder eben neben dem Sarg der toten Tante (ach, lasst uns gar nicht erst anfangen) oder halt neben einer Wasserleiche in Wyoming. Suchtfaktor ist schon vorprogrammiert.

Erste Lokalitäten wollen auch schon von der Karte der App gelöscht werden. Nachdem viele Trainer nicht mal davor zurück geschreckt haben, im U.S. Holocaust Museum in Washington D.C Pokémon einzufangen, will der Museumsbetreiber ein Verbot der App in seinem Kunsthaus durchsetzen. Durchaus verständlich, denn das Spiel muss einfach nicht überall gespielt werden.

Pokestop, ahoi!

 

Doch als Marketeers fragen wir uns natürlich als aller erstes, wie dieser Megaerfolg auch für Werbung genutzt werden kann. Vielleicht kann man sein Unternehmen ja auch in naher Zukunft als Pokestop, Arena oder Pokémon Center anmelden und somit neue Kunden anlocken? Seltene Pokémon in seinem Unternehmen horten, die dann von mutigen Trainern aufgespürt werden müssen? Sind wir mal gespannt, wann die ersten Marketingideen auftauchen. Wir sind gespannt was sich die App alles einfallen lässt und wie die Werbewelt auf den neusten Trend reagieren wird. Laufen wir womöglich bald alle in Traineruniformen herum? Hoffen wir es mal nicht 🙂

Fazit, oder eher WARNUNG!

 

Kids, don’t Pokémon and drive. Denn Autofahren und das Spiel zu kombinieren ist, wie bei Alkohol, nicht immer eine wirklich gute Idee! Viel Spaß beim Spielen und lasst uns mal ein Kommentar da, wie euch das Spiel so gefällt!

 

Autor: Antonia Weber