Das Recruiting von Morgen

Vorgestern schrieb ich ja erst über das kleine Jahresrückblickgeschenk von YouTube. Damit wir nun mal in Richtung Zukunft blicken, möchte ich heute über Karrierestarts schreiben. Wie bringen wir da wieder Marketing unter? Ganz einfach dieses neue Recruiting-Kampagne bedient sich keinem geringeren  Social Media Kanal als YouTube.

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Es war einmal vor langer Zeit…

Ich selbst gehöre ja schon nicht mehr zur jungen „abschlussfrischen“ Schicht. Bei mir war es noch so, dass man (zumindest ich :D) nach dem Abitur das Gefühl vermittelt bekam, die Welt stünde einem offen. Steht uns denn wirklich die Welt offen heutzutage? Ich meine im Gegensatz zu meinen Eltern, muss meine Generation sich global bewerben. Kompetenzen müssen stetig erweitert werden und der klassische Berufsweg wie früher hat sich definitiv geändert.  Aber was hat sich genau geändert? Die Jobs werden digitaler, die Anforderungen & Bachelor-Abschlüsse internationaler und Recruiting geht heute viraler.

 

Zurück zu meiner Situation nach dem ABI also stand ich da.  Schnitt von 2,5. „Läuft!“, dachte ich und „…mal gucken was das Leben bereithält.“. Naja, dieses „mal gucken“ dehnte sich dann auf 1,5 Jahre FSJ aus. Natürlich würde ich die Zeit für nichts in der Welt eintauschen. Und darüber Beschweren will ich mich auch nicht! Aber eins muss ich erwähnen, dass ich doch ziemlich planlos herumirrte. War es mein fehlendes Engagement? Hätte ich die Besuche mit dem Abiturkurs bei der Agentur für Arbeit ernster nehmen sollen? Hätte ich den zarten 670 Seiten-Wälzer über Studium und Ausbildungen besser lesen sollen? Ich denke es waren genau diese Stolpersteine, wie z.B. gehäufte flache Informationsweitergabe via Bücher über Ausbildungen oder Studium, die in der Jugendsprache „abfuckten“ und langweilig waren. Dieser Einfallslosigkeit war es auch zu verdanken, dass mir bei der Berufsberatung  empfohlen wurde Theologe oder Kunstberater zu werden – weil ich hatte Religion und Kunst als Leistungskurs. So viel zu kompetenter Unterstützung.

 

Lange Rede, kurzer Sinn

Nun ja, was soll ich sagen, „Danke, Mama und Papa dafür, dass ich in die falsche Zeit geboren wurde!“? Nein, war nur Spaß. Ich habe mich prächtig entwickelt: Thailand, Finnland, Spanien, Miami und jetzt Saarbrooklyn –  alles Orte, die ich durch mein Studium und meinen Beruf erleben und dort auch Leben durfte.
Hätte ich nicht so vorausschauende Eltern gehabt, die sagten: „Bub, du studierst ab sofort im Ausland!“, wäre ich wahrscheinlich jetzt nicht der, der diesen Blogbeitrag schreibt. Was ich eigentlich nur sagen will ist, dass es jedes Jahr wieder ein Heer an Hauptschul-, Realschul- und Hochschul- Absolventen gibt, die meistens, wie ich damals, planlos ins wahre Leben entlassen werden.

 

Rettung ist in Sicht

Neulich in der Bahnhofstraße unterhielten sich zwei junge Menschen:„Ey Alda, hascht du schon eh Plan wo de Ausbildung machscht?“ – „Nä, du?“ – „Ei ich ah net“ – „Scheiße…“. Da ich, als aufmerksamer Marketeer, es mir zur Aufgabe gemacht habe Trends, Probleme und Bedürfnisse am Markt zu erkennen und diese (die am meisten profitabel sind) zu befriedigen, kommt heute die Rettung, Leute!

 

IHK Stuttgart als Vorreiter der YouTuber

Angeregt durch diesen Input fing die Recherche an. Und siehe da, ich habe mal wieder meinen eigenen Horizont erweitert. Wenn das mal nicht blogrelevant ist?! Aus diesem Grund möchte ich euch die Recruiting-Maßnahme der IHK vorstellen. Mithilfe von lustigen, auf die Zielgruppe zugeschnittenen Video Clips verschafft sich die IHK mit YouTube die richtige Plattform für die Disziplin Recruiting. Ein Bild sagt mehr als tausen Worte und ein Video kann beides, also bevor ich näher auf YouToube als Recruiting Instrument eingehe, übergebe ich erst einmal dem Comedian Özcan Cosar das Wort – „Ohne Ausbildung nix gut!“ powered bei IHK Stuttgart:

 

 

Leider ist bisher nur die IHK Stuttgart so progressiv und bietet den Fachkräften von Morgen auf ihrem YouTube Channel Orientierung an. Neben Tipps und Tricks für Bewerbungen, Prüfungen und Anregungen für Ausbildungsplätze, erzählen Azubis  von gemachten Erfahrungen oder Chefs wie sie als Azubis angefangen und sich dann hochgearbeitet haben. Der YouTube Channel der IHK ist bestens aufgestellt, informativ und überschaubar. Vor allem aber überzeugt er seine Zielgruppe durch seinen authentischen und sympathischen Auftritt.

>Hier der Link zum Channel<

 

IHK goes Facebook 4 Azubis

Damit nicht genug: Auch aktivierte die IHK Facebook um ihre Reichweite zu steigern. Der „Azubi Guide“ für ahnungslose Debütanten und Debütantinnen der IHK Region Stuttgart informierte auch via Facebook mit ihrer eigenen Landingpage. Neben einem breiten Orientierungsangebot, Infos für Auszubildende in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsberufen, informierte sie dort regelmäßig über laufende Ausbildungen aus erster Hand. Alle Themen des Azubi Guides wurden in Form von Fotos und Video-Berichten journalistisch aufbereitet und speziell auf die Bedürfnisse der Azubis zugeschnitten. Unter anderem wurden Themen wie  „Was genau macht die IHK eigentlich im Ausbildungsbereich?“, „Wie kann man sich nach der Ausbildung weiterentwickeln/ weiterbilden?“,  „Als Azubi ins Ausland?“ sowie „Wichtige Facts und Hilfestellung beim Schreiben von Berichtsheften“ ausführlich erläutert. All diese Fragen zu beantworten und Azubis einen guten Start ins Leben zu geben, dazu fühlt sich die IHK Stuttgart verpflichtet *Applaus Applaus*. Verschafft euch einen eigenen Eindruck und schaut mal bei dem IHK Team – Facebook vorbei.

 

Marketing-technisch ein perfekter Schachzug

Jetzt mal ehrlich, Berichtsheft-Hilfestellung, Weiterbildung und Anregungen sowie Orientierung für Azubis mit Infos aus erster Hand, wo war DAS als ich fertig mit dem ABI war??? Besser spät als nie! Genug beschwert, zusammenfassend kann man sagen, die IHK bildet ein Forum der Erfahrungen und des Wissensaustausch. Somit sieht die Zukunft der Azubis gut aus.

 

Marketing-technisch hat sie alles richtig gemacht. Erst wurde die Zielgruppe analysiert: junge Menschen, Social Media-affin, zubombardiert mit Infomaterial, das ja doch nichts nützt. Dann wurde aus gemachten Erfahrungen gelernt und statt Info-Bücher über tausende Studiengänge und Ausbildungen auszuhändigen, hat die IHK Stuttgart eine neue Kommunikation für ihre Zielgruppe gewählt. Letztendlich begeben sie sich an den Ort, wo die Zielgruppe anzutreffen ist – nämlich Facebook und YouTube. Mit einer guten Portion Unterhaltung, Seriosität und Information geht die IHK Stuttgart in die Recruiting-Offensive, indem sie die genau weiß wie sie ihre Zielgruppe bespielen muss. Genau das hätte ich mir auch gewünscht *seufz*.

 

Aber keine Sorge, ich hatte zwar nicht so einen modernen und ansprechenden Infopool wie die IHK ihn darbietet zur Verfügung, aber nach Studium und Co. bin ich doch auch sicher angekommen. Eins ist klar, unsere Generation wird nicht immer beim ersten Beruf bleiben. Oft ändern sich schon innerhalb von wenigen Stunden die Gegebenheiten auf dem internationalen Bankett des Arbeitsmarktes und wer weiß schon wo er in 20 Jahren landen wird. Für diejenigen unter euch, die noch oder wieder Inspiration brauchen, was ihre berufliche Zukunft betrifft, wisst ihr jetzt, wo ihr nachschauen müsst.

 

Autor: Stefan Albrecht