Facebook: Hass-Liebe-Essay

Ach Facebook. Wie ein hartnäckiger Herpes hat sich dein blaues „F“ auf unsere Lippen tätowiert. Einmal angemeldet kommt man so schnell nicht mehr davon los. Was wären wir nur ohne dich? Ein lausiger Haufen langer Gesichter, der nach Unterhaltung und lustigen Katzenvideos laben würde.

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Wer würde meine philosophischen #yolo Sprüche kommentieren, wo sind denn gerade meine Freunde und wer liked jetzt nur meine Gemüsepizza? All diese wichtigen Statusupdates blieben sonst alleine, gefangen in meinem Gedankenstrom und würden ohne deine Plattform nie den Weg nach draußen in die Gesellschaft finden. Wer, außer dir, würde mir sonst zeigen, dass ich zu dick und unterdurchschnittlich für diese Welt bin?

Man mag es sich gar nicht erst ausmalen, aber wahrscheinlich würde ich sogar davon ausgehen, dass mein Leben schön und ich zufrieden mit mir selbst wäre. Nein, nein, das würde ja mal gar nicht gehen! Der tägliche Vergleich mit Popstars und Z-Promis muss einfach sein, um mich auf den Boden der Tatsachen zurück zu katapultieren und von dort aus mein armseliges Otto-Normalverbraucher-Leben beäugen zu können.

Ohne dich müssten wir doch tatsächlich mit anderen Lebewesen interagieren, um an der Außenwelt teilzunehmen. Da ist uns doch der kleine quadratische Bildschirm in unserer Hosentasche eindeutig attraktiver. Genauso viele Bakterien doch definitiv weniger Kompromisse. Wie würden wir sagen, dass uns etwas gefällt, ohne den Like-Button zu betätigen und mit einem LOL unser Amüsement auszudrücken? Unvorstellbar, wie die Höhlenmenschen, das vor der Erfindung des Internets bewältigt haben. Immer am Puls der Zeit können wir jetzt sogar sagen, wenn uns etwas böse, traurig etc. macht. Daumen hoch Facebook!

 

Facebook und Co als Stimmungsbarometer

 

Doch die Social Media Plattform ist nicht nur für die Wertung und Unterhaltung unserer gesamten Generation unverzichtbar, sondern liefert auch immer wieder höchst interessante und spannende Statistiken aus dem realen Leben. Die Europameisterschaft brachte Gewinner und Verlierer auf dem ganzen Kontinent hervor. Doch nicht nur auf dem Fußballplatz selbst, sondern auch im Netz feierte Europa Fußball. Mannschaften, sowie Spieler konnten aufgrund von Facebook sehen, was die EM für ihr Image gebracht hat.

Als großer Gewinner geht – oh Wunder – Island hervor. Die Inselnation steigerte ihre Bekanntheit um ganze 171 %. Ihre Fangemeinde vergrößerte sich somit um 94.000 Neufans. Ohne PR- oder Marketingteam haben uns die Wikinger rein durch guten Fußball und eine ganze Menge Leidenschaft dazu gebracht, ihnen auch im Netz zu folgen. Huh! Also ein echtes Siegthor(son) für sie. Doch nicht nur die Nordmänner, sondern auch ihre Nachbarn aus dem Vereinigten Königreich, Nordirland und Wales, haben ihren Underdog-Status zu ihrem Vorteil genutzt. 53 % Zuwachs auf der Fanseite der Nordiren und 48 % für Wales. In Zahlen sind dies 90.000 Likes für Will Grigg-Fans und satte 320.000 Gefällt-mir für die Waliser. Ein wahres Freudenfeuer für beide Teams.

Auf der Seite der Einzelpersonen waren es vor allem die Polen, die von sich Reden gemacht haben. Bartosz Kapustka steigerte seine Bekanntheit um unglaubliche 538 %. Auch auf Platz zwei, vier und fünf tummeln sich unsere Nachbarn aus dem Osten. Mariusz Stępiński mit 472 %, Łukasz Fabiański mit 280 % und Piotr Zieliński mit 248 %. Da kommt man ja schon fast ins Grübeln, wie viele Fans die Osteuropäer wohl vorher besessen haben. Einsam und verlassen tummelt sich der Italiener Graziano Pelle mit einem Zuwachs von 300 % auf dem dritten Platz. Viel Zuwachs für die europäischen Dribbler.

 

Die Folgen von digitalem Erfolg

 

Mit vielen Fans kommen auch die großen Werbeverträge, woraufhin noch mehr Ruhm folgen wird. Facebook als Sprungbrett nach ganz oben. Denn die Likes und Abonnenten zeigen Unternehmen und Firmen, in wen sie investieren müssen, um ihr Produkt besser vermarkten zu können. Denn vielleicht sind wir ja gar nicht der Marketingblog.Saarland, sondern Manuel Neuer?! Tja, jeder weiß von welchem koffeinhaltigen Getränk hier die Rede ist, ohne dass man auch nur ein Wort darüber verlieren muss. Mit „Alles Müller, oder was?“ setzte die Molkerei Müller die Namensvetter und Fußballikonen Gerd und Thomas Müller perfekt in Szene. Und das war nicht lustig, aber funny? Bastian Schweinsteiger räumte bei dem Werbevertrag mit dem Chipsproduzenten ebenfalls satte Gewinne ein.

Kurzum werden heutzutage Sportler in der Werbebranche eingesetzt, die eigentlich rein nichts mit Werbung am Hut haben und verdienen sich dabei ein goldenes Näschen. Dies beginnt meistens aufgrund von großer Popularität bei den Fans, wo wir wieder bei den Sozialen Netzwerken angekommen werden. Ein in sich schließender Kreis. Ist man erfolgreich auf dem Platz steigert man ebenfalls seine Beliebtheit im Netz und wird dann vielleicht zum Werbemodel.

Man kann versuchen sich dem Internetriesen zu entziehen, doch Will man das wirklich? Griggt man dann nicht nur eine schlechtere Startaufstellung in den Medien? Wahrscheinlich. Denn die Erfolge der Isländer oder die nordirische Fanhymne „Will Grigg is on Fire“ wurden so oft auf der Internetplattform geteilt und geliked, dass sie den Mannschaften sogar außerhalb der EM zu einem Mega-Erfolg verholfen haben. Vielleicht sehen wir ja auch bald schon Werbung für Feuerlöscher mit Nordirlands Fußballliebling? Nur mal so als Anreiz.

 

Fazit

 

Facebook spaltet die Gemüter. Es ist gefährlich einfach, sich in dem Dschungel von Posts, Likes und geteilten Beiträgen zu verlaufen und somit den Bezug zur Realität zu verlieren. Man kann natürlich versuchen sich aus dem ganzen Trubel, den das soziale Netzwerk mit sich bringt rauszuhalten, doch Facebook stellt neben Twitter eine der größten Meinungsumfrageplattformen dar. So schnell und ehrlich wie hier bekommt man nur selten die Freude, den Hass und die Enttäuschung einer Bevölkerung zu spüren. Wie üblich liegen Anerkennung und Misserfolg zu nah beieinander. Den Erfolg, den man jedoch auf der Plattform erlangen kann, wird sich zwangsläufig auch in der realen Welt widerspiegeln.
Und hiermit beende ich dieses Hass-Liebe-Essay über Mark Zuckerbergs Gesichterbuch mit einem lauten „Teilen, Teilen, Teilen“. Liken dürft ihr diesen Beitrag natürlich auch 🙂

 

Autor: Antonia Weber