Leidenschaftliches Landesmarketing

Rund 6000 nackte Menschen laufen durchs Bild, fassen sich an den Händen und lachen hoffnungsvoll in die Kamera. Sie sind gezeichnet, durch sichtbare und tief verborgene Narben. Ihre Augen sind offen für die Zukunft und geprägt von der Vergangenheit. Nach fast mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg in Kolumbien hat die Regierung Ende Juni einen Waffenstillstand mit der linken Guerillaorganisation FARC besiegelt. Ein Neuanfang, nach einem halben Jahrhundert Kriegszustand.

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Blick hinter die Kulissen

Die lebende Kunstinstallation des US-Fotografen Spencer Tunick, zeigt den Krieg auf eine andere, fast schon menschliche Weise. Die Geschehnisse des Krieges werden durch die Augen von fünf Kolumbianern erzählt, die jeweils für beide Parteien gekämpft haben. Ein Krieg der nicht nur das Land, sondern auch die Bevölkerung spaltete.

Der Kurzfilm zeigt so viel mehr als nur Einzelschicksale, er geht tiefer. Beispiel: Der ehemalige Polizist Wilson Barreto, der mit 19 Jahren sein Augenlicht aufgrund eines Angriffs der FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) verlor, findet erst später heraus, dass sein heutiger Freund bei diesem Angriff als Kommandeur aktiv war. Beide haben grausames erlebt und blicken zusammen nach vorne, anstatt in Vergangenem zu verweilen. Sie schauen hinter das Offensichtliche. Jeder erkennt das Gegenüber als Opfer des Krieges, als Kolumbianer, als Menschen.

„Keep walking Colombia“ ist ein wunderschönes Projekt, das bereits im Jahre 2000 gestartet ist und seitdem stetig weiterentwickelt wurde. Nackt sind alle gleich. Wenn wir unsere Uniformen ablegen sind wir ja doch irgendwie alle nur Menschen und vergessen unsere aufgedrückten Ideale. Erziehung, Soziales Umfeld und Lebensumstände prägen und verändern uns. In dem Film sieht man Kolumbien, wie seit gut 50 Jahren nicht mehr – Vereint!

Landesmarketing für die Heimat

Marketing für Länder kann positive PR mit sich bringen, jedoch auch öfter mal nach hinten los gehen. Negativbeispiele, manchmal leicht übertrieben, wie bei „There is nothing like Australia“, Absurditäten aus dem Übersetzungsprogramm wie bei Grenada mit „Grenada – Live the Rhythms of Spice“ oder dem eigentlichen Slogan von Kolumbien. Dieser wurde vom dem Guardian als „verstörend“ deklariert. Denn mit „Colombia – The only risk is wanting to stay“ ist zwar ein schöner Gedanke, doch der andauernde Bürgerkrieg in dem südamerikanischen Land könnte doch als ein etwas größeres Risiko, als der Wunsch dort zu bleiben, eingestuft werden. Vielleicht bietet das Kunstprojekt des US-Amerikaners einen Neuanfang für das Land selbst und für das Landesmarketing.

Home Sweet Home

Wenn wir mal nicht wie sonst über den Tellerrand hinaus blicken, können wir die Hoorische auf unserem Teller auch mal genauer unter die Lupe nehmen. Das Landesmarketing des Saarlandes ist mit „Großes entsteht immer im Kleinen“ ziemlich ausdrucksstark und gut durchdacht. Das Saarland hat meiner Meinung nach großes Potenzial, doch nutzt nicht jede Gelegenheit, um sich marketing-technisch zu etablieren. Manche Fehlentscheidung in der obersten Etage zwang uns schon dazu, die eine oder andere Party früher zu verlassen. Tja Politik und Marketing gehen halt leider nicht immer Hand in Hand. Traurig, aber wahr. Doch im Großen und Ganzen ist es eine sehr gelungene Kampagne, die viele Vorzüge unserer kleinen Heimat hervorhebt und Lust auf mehr macht. „Klein aber Oho!“ wäre ja mein ganz persönlicher Vorschlag gewesen, der jedoch leider nicht angenommen wurde.

Fazit

Ein Land kann meistens so schön sein, wie es will. Erst durch das passende Marketing wird die Schönheit richtig hervorgehoben. Wie ein bisschen Rouge auf den Wangen bei dem einen das Gesicht erst richtig zum Strahlen bringen, kann es, wenn zu dick, oder falsch aufgetragen, jedoch genau das Gegenteil bewirken. Die eigenen Vorzüge müssen also zunächst erkannt und dann genau unterstrichen werden. Nicht immer einfach, doch wenn richtig durchgeführt, ein Garant für Erfolg!

 

Autor: Antonia Weber