Über Marken und ihre ungeliebten Kunden

Wenn der IS Toyota fährt

 

Eine Marke steht für mehr als nur das Produkt selbst. Man soll mit dem Produkt dem Alltag entfliehen, in eine neue Welt der Entspannung oder Ekstase abtauchen können. Sie besitzt eine sorgsam ausgewählte Wahrnehmung, mit der das Unternehmen das passende Publikum auf sich aufmerksam machen will.

Ein Produkt peilt somit auch immer eine ausgewählte Zielgruppe an. Doof nur, wenn manche Kunden nicht zu dem geplanten Konzept passen. Ich glaube fast jeder erinnert sich noch an Britney Spears großen Zusammenbruch im Jahr 2007. Unverzichtbar damals für sie – ein venti Starbucks Becher. Zwar Werbung für das Unternehmen, doch ziemlich schlechte. Auch schlechte PR ist gute PR meinen Sie? Das sah das amerikanische Kaffeehaus anders. Hausverbot für Britney-B*tch, da sie zu viel schlechte Presse auf ihre Kette ziehen würde. Oops, also kein Java-Chip-Chocolate-Frappochino mehr für den Kinderstar.

 

Marken-Terror

 

Noch aktueller und ernster sind da jedoch die Marketing Probleme des japanischen Automobilherstellers Toyota. Denn dessen Autos sind nicht nur bei afghanischem Militär, sondern auch bei der Terrormiliz IS sehr beliebt. Vor allem für anspruchsvolle und schwer befahrbare Regionen eignet sich der robust gebaute Pick-up Hilux besonders. Das Logo der Automarke ist nicht nur bei den Propagandavideos der Terroristen, sondern auch in den täglichen Nachrichten zu sehen.

Durch die großen Lettern auf der Heckklappe des Transporters ist eine Identifikation der Marke recht überflüssig. Aufmerksam geworden auf die Verwendung der Marke hat sich sogar das US-Finanzministerium an den Autohersteller gewendet. Auf die Frage, wieso der IS so häufig die Modelle des japanischen Unternehmens verwende, reagierte der Konzern blitzschnell. Bereits im Jahre 2012 hat das Unternehmen seine Vertriebe im Nahen Osten gewarnt, keine Fahrzeuge an radikale Gruppen mehr zu verkaufen. Wieso der IS trotzdem noch so viele Modelle besitze, ist nicht genau geklärt, aber wahrscheinlich hat die Terrormiliz diese auf Raubzügen, als auch von Sponsoren erhalten.

Fraglich ist jedoch, wie sehr dies der Automarke selbst schaden wird. Krisenforscher Frank Roselieb beurteilt dies jedoch eher gelassen. Denn Toyota selbst ist ja nicht an den terroristischen Machenschaften des Islamischen Staats beteiligt und deshalb wird sich der Schaden, beziehungsweise Rufmord an der Marke größtenteils in Grenzen halten.

 

Fazit

 

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich erst ungeniert“ war Gestern! Wie die eigene Marke in der Gesellschaft bewertet wird ist das A und O der Marketingbibel. Kunden verknüpfen unterbewusst Erlebnisse und Gesehenes mit dem Produkt und werden es negativer bewerten, je nachdem, wie darüber in den Medien berichtet oder wie es präsentiert wurde. Es muss also wirklich kleinlich darauf geachtet werden, wer das Produkt verwendet. Teils Segen, doch wie gerade gezeigt, sind gewisse Kunden manchmal auch ein wahrer Fluch für das Unternehmen.

 

Autor: Antonia Weber